Die fünf besten Over-Ears – Fakten für Nerds

Von Rene Reinisch

Bin ich noch ein Nerd oder schon ein Geek, wenn ich mich für Technik-Details interessiere? Lassen wir das die Nerds am besten selbst entscheiden! Dem typischen Nutzer genügt in aller Regel zu wissen, in welchem Bereich ein Kopfhörer angesiedelt ist und welche subjektive Klang-Qualität dieser produziert. Für die meisten Anwender spielen einige der folgenden Technik-Spezifikationen daher keine Rolle. Aber keine Sorge: Weiter unten haben wir unsere fünf Besten wie gewohnt aufgereiht und einige Zusatz-Infos separat aufgeschrieben. Wenn du aber ganz konkrete Vorstellungen davon hast, wie sich physikalische Größen mit einer bestimmten erwartbaren Akustik verknüpfen, und wie sich diese Zahlen auf die Funktionalität auswirken, dann wirst du hier auf den ersten Blick fündig.

 

Die Spalte „Kenn- und Messwerte“

Audio-Messungen bei Bluetooth-Kopfhörern gestalten sich mitunter schwierig und führen tendenziell zu fehlerhaften Daten. Wo professionelle Analysen unter Labor-Bedingungen dennoch möglich sind, haben wir die entsprechenden Werte aufgelistet, die von manchen Testmagazinen veröffentlicht werden. Ansonsten greifen wir auf Herstellerangaben zurück.

 

Kleines Ton-Technik-Glossar

 

Treiber

Ein geläufiges Synonym für die kompakten Kopfhörer-Lautsprecher. Je größer die Membran, desto mehr Schalldruck ist potenziell möglich – umso voluminöser der Klang. Neuere Entwicklungen bei Werkstoffen, in der Ansteuerungs- und Fertigungstechnik erlauben kleineren Treibern die mangelnde Oberfläche teilweise zu kompensieren.

 

Frequenz

Die übertragenen Schallschwingungen pro Sekunde, gemessen in Hertz. Je niedriger der Wert, desto tiefer der Bass. Extremer Sub-Bass wird teils nur noch über Körpervibrationen wahrgenommen. Mehr als 20 kHz übersteigen ebenso das menschliche Hörvermögen.

 

Nenn-Impedanz und Kennschalldruckpegel

Der elektrische Widerstand im Kopfhörer hat Auswirkung auf Lautstärke und Klang, ebenso der Kennschalldruckpegel (sog. Empfindlichkeit). Je höher die Nennimpedanz, desto vorteilhafter die Möglichkeit der Tonwiedergabe (siehe auch Studiotechnik). Mobile Endgeräte mit meist schwacher Verstärkerleistung funktionieren am besten mit niederohmigen Kopfhörern. Am gleichen Zuspieler und bei gleicher Verstärkungsleistung (mW) ist der Kopfhörer mit höherer Empfindlichkeit lauter.

 

Schalldruck

Vereinfacht gesagt: Die Lautstärke. Je mehr Dezibel (dB), desto lauter. Der mögliche Schalldruckpegel ergibt sich aus Impedanz und Empfindlichkeit.

 

Klirrfaktor

Auch Verzerrung genannt. Wahrnehmbares Klirren ist abhängig von der gehörten Frequenz.

 

Audio-Codecs

Die sogenannten Codecs dienen zur Kompression der Audio-Daten. Wie auch bei Bildern und Videos existieren sehr unterschiedliche Qualitätsstufen. Die Kopfhörer-Modelle können nur bestimmte Codecs lesen und wiedergeben, was den Klang und die Auswahl der Zuspieler (Quellen) beeinflusst. Eine höhere Bit-Zahl (sog. Bit-Tiefe) bedeutet prinzipiell bessere Qualität durch mehr hörbare Feinheiten. Wichtig zu wissen: SBC und AAC sind Standard, letzterer bei Apple. Qualcomms aptX-Kodierungen ermöglichen Zusatzfunktionen und hochauflösende Wiedergabe (HiRes). LDAC ist beispielsweise der hauseigene HiRes-Codec-Standard bei Sony.

 

Latenz

Die Übertragung des Audiosignals an den Funkkopfhörer kostet Zeit. Bis der Schall dann wirklich im Ohr ankommt, sind Verzögerungen fallbedingt wahrnehmbar. Manche Modelle verfügen daher über einen Gaming-Modus oder eine sonstige spezielle Einrichtung zur Latenz-Minimierung. Diese Angabe ist für die Synchronisierung zwischen Bild und Ton bedeutsam. Beispielsweise empfiehlt Sennheiser zum Fernsehen nur den Codec aptX LL (Low Latency) oder ähnliche.

 

Bluetooth-Konnektivität

Die verfügbare Bluetooth-Version und die Protokolle zur Steuerung der Funktionen.

 

Sony WH-1000XM4: Underdog im Hifi-Himmel

 

Vorteile

– Präzises Klangspektrum
– Starker Akku (bis zu 30 Stunden mit ANC)
– Adaptives ANC (umgebungs- und aktionsabhängig)
– Telefonie-Funktionen (u.a. Auto-Pause beim Sprechen)
– Faltbar, drehbar

 

Nachteile

– emotionsarme Optik
– spärliche Codecs-Unterstützung

 

Kenn- und Messwerte:

Frequenz: 4 Hz bis 40 kHz
Impedanz: 51,55 Ohm
Empfindlichkeit: 101 dB bis 105 dB
Schalldruckpegel: 108,3 dB
Codecs: SBC, AAC, LDAC
Treiber: 40 mm, dynamisch
Gewicht (ohne Kabel): ca. 254 g
Kabelbetrieb optional: 3,5 mm Klinke
Bluetooth-Konnektivität: 5.0 (A2DP, AVRCP, HFP, HSP)
Akku-Ladezeit (vollständig): ca. 3 Stunden

 

Bei der Modell-Auslese zwischen XM3, XM4 und XM5 sind sich die Testmagazine nicht ganz einig. Dass man aber einen aus der Reihe in die Besten aufnehmen sollte, steht beinahe außer Frage. Wir haben uns für den Sony WH-1000XM4 entschieden, der gegenüber dem Vorgänger das bessere ANC bietet und seinem Nachfolger in klanglichen Feinheiten überlegen ist. Der gute Trage-Komfort ist ebensowenig zu unterschätzen wie die Transport-Freundlichkeit. Beide Eigenschaften sind nicht zuletzt der etwas konventionelleren Konstruktion geschuldet, womit der neuere XM5 dank Slim-Design bricht. Der etablierte XM4 besitzt vollflexible Ohrmuscheln und die komfortablere Polsterung. Im Bereich der Oberklasse wirkt der Sony WH-1000XM4 geradezu günstig und kann daher als Geheim-Tipp bezeichnet werden.

 


 

Beyerdynamic Amiron Wireless Copper: Edler Kupferschwinger – Made in Germany

 

Vorteile

– Exzellenter Klang (mit Hör-Korrektur)
– Personalisierbares ANC
– Hervorragende Verarbeitung
– Hochwertige Kupfer-Elemente innen wie außen
– Akku-Laufzeit: mind. 30 Stunden (1050 mAh)

 

Nachteile

– hochpreisig
– MIY App nicht für jedes Handy geeignet

 

Kenn- und Messwerte:

Frequenz: 5 Hz bis 40 kHz
Impedanz: 32 Ohm
Nennbelastbarkeit: 200 mW
Empfindlichkeit: 100 dB (mit Klinkenkabel)
Schalldruckpegel: 95,94 dB
Klirrfaktor: < 0,05 % bei 500 Hz
Codecs: AAC, SBC, aptX, aptX HD, aptX LL
Treiber: Tesla, dynamisch
Gewicht (ohne Kabel): 380 g
Kabelbetrieb optional: 3,5 mm Klinke
Bluetooth-Konnektivität: 4.2 (HSP, HFP, A2DP, AVRCP, GAVDP)
Akku-Ladezeit (vollständig): ca. 2 Stunden

 

Der Name ist Programm, denn hochleitfähiges Kupfer ist beim Beyerdynamic Amiron Wireless Copper das durchgehende Thema. Äußere Design-Elemente deuten bereits auf das audiophile Innenleben mit Kupfer-Schwingspule hin. Technisch gibt es allerdings keinen Unterschied zum performanten Standard-Amiron mit bestem Klang und Individual-ANC. Der Amiron Copper ist wie ein Sondermodell zu betrachten, das sich mit einem eleganten Styling-Paket präsentiert.

 

 

Sennheiser Momentum 4 Wireless: Klangstark und ausdauernd

 

Vorteile

– Ausgewogenes Klangspektrum
– Leistungsfähiges Hybrid-ANC (Automatikmodus)
– Extreme Akku-Leistung (bis zu 60 h Betriebsdauer und Schnelladung)
Headset-Qualitäten (4 Beamforming-Mikrofone)
– Hoher Trage-Komfort

 

Nachteile

– Standard-Optik
– 2,5 mm „Sonderbuchse“ (Kabel beiliegend)

 

Kenn- und Messwerte:

Frequenz: 6 Hz bis 22 kHz
Impedanz: 470 Ohm (aktiv)
Empfindlichkeit: 106 dB
Klirrfaktor: < 0,3 % (1 kHz/100 dB)
Codecs: SBC, AAC, aptX, aptX adaptive
Treiber: 42 mm, dynamisch
Gewicht (ohne Kabel): ca. 293 g
Kabelbetrieb optional: 2,5 mm Klinke und Adapter auf 3,5 mm
Bluetooth-Konnektivität: 5.2 (A2DP, AVRCP, HFP)
Akku-Ladezeit (vollständig): ca. 2 Stunden

 

Sennheiser: ein klangvoller Name in der Welt der Kopfhörer, der seinem Ruf alle Ehre macht. Tonwiedergabe und ANC spielen makellos zusammen und werden von einem leistungsstarken Akku mit bis zu 60 Stunden Laufzeit befeuert. Nur 5 Minuten Laden genügt, um den Over-Ear bis zu 4 Stunden lang zu betreiben. Zu bemängeln gibt es fast nichts. Das schlichte Design des Sennheiser Momentum 4 dient vor allem der Funktionalität und bietet außer dem Bügel mit Textilummantelung wenig fürs Auge. Mit den wechselbaren Ohrpolstern aus Kunstleder bewirkt dieser ein angenehmes Tragegefühl.

 

 

Bowers & Wilkins Px7 S2: Platzhirsch aus England

 

Vorteile

– Überragender Klang
– Ergonomisches Design, wertige Haptik
– Sehr gute Android-Anbindung
– 30 Stunden Betriebsdauer mit ANC
– Schnelladung (15 Min. für 7 Stunden)

 

Nachteile

– hoher Preis
– wenig innovative App-Funktionen

 

Kenn- und Messwerte:

Frequenz: 4 Hz bis 40 kHz
Impedanz: 37,7 Ohm
Schalldruck: 98,11 dB
Klirrfaktor: < 0.1 % (1 kHz/10 mW)
Codecs: SBC, AAC, aptX, aptX Adaptive, aptX HD
Treiber: 40mm, dynamisch (Bio-Zellulose)
Gewicht (ohne Kabel): ca. 307 g
Kabelbetrieb optional: 3,5 mm und Flugzeug-Adapter
Bluetooth-Konnektivität: 5.2 (A2DP, AVRCP, HFP, HSP, BLE GATT)
Akku-Ladezeit (vollständig): ca. 2 Stunden

 

Die Fachmeinungen sind beim Bowers & Wilkins Px7 S2 recht einstimmig und voll des Lobes. Nimmt man den ebenso hochpreisigen Apple AirPods Max zur Referenz, der hier [Link] schon vorgestellt wurde, so bewegen sich ANC, Klang und Design mindestens auf selbem Niveau. Im Gegensatz zum AirPods
Max fühlt sich der Bowers & Wilkins Px7 S2 allerdings nicht nur im Apple-Universum zuhause. Schwächen kennt der Over-Ear fast keine, die App bleibt Geschmackssache.

 

 

Bang & Olufsen Beoplay H95: Dauerlaufende Klang-Ikone

 

Vorteile

– Exquisite Materialien (Aluminium, Titan, Lammleder)
– Kraftvoller Akku (1200 mAh, bis zu 50 Stunden Laufzeit)
– Adaptives ANC mit Transparenzmodus
– Brillantes Klangbild
– Bedienung und Haptik

 

Nachteile

– kein schnelles Laden
– höchster Preis im Vergleich

 

Kenn- und Messwerte:

Frequenz: 20 Hz bis 22 kHz
Impedanz: etwa 12 Ohm
Empfindlichkeit: 101.5 dB, 1 kHz/1 mW
Codecs: SBC, AAC, aptX Adaptive
Treiber: 40 mm, elektrodynamisch, Titan und Neodym
Gewicht (ohne Kabel): ca. 323 g
Kabelbetrieb optional: 3,5 mm Klinke
Bluetooth-Konnektivität: 5.1
Akku-Ladezeit (vollständig): ca. 3 Stunden

 

Edel, extravagant, zukunftsweisend und in Details ein Tacken besser – so der Anspruch der dänischen Elektronikmanufaktur seit 1925. In dieser Tradition zeigt sich auch der Bang & Olufsen Beoplay H95. Wer erinnert sich noch an die automatischen Schiebetüren des futuristischen CD-Spielers? Im positiven Sinn mehr funktional denn zukunftsweisend sind die praktischen Drehringe an beiden Ohrschalen, jeweils für Lautstärke und ANC. Touch-Funktionen gibt es dennoch, zum Pausieren und Telefonieren. Das Klangbild ist exzellent, 38 Stunden Betrieb mit eingeschaltetem ANC sind laufstark. Schwächen zeigt der Beoplay H95 kaum, doch angesichts der hohen Leistung technisch ähnlicher Konkurrenz, kann dem Over-Ear nur ein mageres Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigt werden. Wem der Markenauftritt gefällt, macht mit diesem Modell aber nichts falsch. Blanke Daten sind bekanntlich nicht alles.

 

 

Fazit

Was die Qualität betrifft, ist das Feld hier sehr dicht. Nachdem Over-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth-Verbindung eher zuhause im Unterhaltungsbereich oder bei der semiprofessionellen Tonbearbeitung Anwendung finden, bezieht sich unser Ranking vor allem auf die klangtechnischen Fähigkeiten. An zweiter Stelle dürften, im Gegensatz zu Bürobetrieb und Outdoor-Nutzung, die Funktionalität und Telefonie-Eignung liegen. Wenn die Anschaffungskosten eine untergeordnete Rolle spielen, werden dich Bowers & Wilkins, Bang & Olufsen oder Beyerdynamic faszinieren. Preis-Leistungs-Sieger ist der gelungene Alleskönner von Sony, der relativ preiswerte Sennheiser begeistert mit Akustik und überragendem Akku.